Freude an Farbspielen

Farbe ist bestimmt nicht das wichtigste für ein Pferd, aber eine schöne Farbe ist ein nettes Extra für ein gutes Pferd. Und interessant ist es allemal, wie all die schönen Farben so zustande kommen.

Ganz egal welche sichtbare Farbe ein Pferd hat, allen Farben liegen genetisch drei Farbtypen zugrunde: Sorrel, Black und Bay. Diese ergeben sich aus der Kombination der Zustände (= Status) zweier Gen-Orte: dem Agouti- und dem Extension-Locus, welche miteinander die beiden Farbanlagen für Rot und Schwarz steuern.

Das ist im Prinzip nicht schwierig wie die Tabelle unten zeigt: Mit den Buchstaben wird der Status der beiden Gene (jeweils eins vom Vater und eins von der Mutter) bezeichnet, deshalb sind es immer zwei Buchstaben.

Für Agouti verwendet man den Buchstaben "A" oder "a". Großbuchstabe heißt vorhanden, Kleinbuchstabe nicht vorhanden. Die blaue Markierung (aktiv-nicht aktiv) zeigt ob die Kombination "wirkt" oder nicht.

Der Extension Locus entscheidet die Frage Schwarz oder Rot, wenn Schwarz (Extension) hier "aktiv" ist (alle EE oder Ee) ist kann der Agouti-Locus entscheiden, ob das Schwarz auf Beine und Mähne begrenzt wird (Begrenzung "aktiv" = Aa oder AA) oder nicht...

 

Phänotyp (Aussehen) Gen-Locus & Status Farbe der Nachkommen
  Extention
Agouti
 
  = aktiv = inaktiv  
       
Sorrel (Fuchs) ee aa mit Rappen keine Braunen
ee Aa alle Farben möglich
ee AA keine Rappen möglich
       
Bay (Braun) EE AA keine Rappen und keine Füchse
EE Aa keine Füchse
Ee AA keine Rappen
Ee Aa alle Farben möglich
       
Black (Rappe) Ee aa Füchse möglich
EE aa mit Rappen nur Rappen
       

Aber Hallo?

Wo sind denn die Greys (Schimmel), die Buckskins, die Duns, Roans und all die anderen schönen Farben? Auch die sind natürlich genetisch angelegt und an bestimmten Genorten zu finden, manche scheinen auch nicht nur einen Ort zu besetzen sondern gleich mehrere... und nicht alle Farbvarianten sind bereits genetisch erforscht.

Alle Farben neben Sorrel, Black und Bay, sind eigentlich nur Varianten die, je nach Basisfarbe, sehr verschiedene Erscheinungsbilder haben können. Dabei bleibt es spannend, denn Gene können auch "versteckt" vererbt werden, das heißt, man sieht von außen nicht, dass das Pferd ein bestimmtes Farb-Gen trägt.

 

Überraschung!

Wenn aus der Verpaarung eines Chestnut Phänotyps (= äußere Erscheinung) mit einem Sorrel ein Buckskin-Fohlen fällt, dann kann man davon ausgehen, dass der Chestnut wohl eher ein Smoky Black Genotyp (= genetische Veranlagung) war... Ein Black mit Cream-Gen, was optisch oft nicht zu unterscheiden ist.

Das Cream-Gen hellt übrigens vorwiegend rote Bereiche auf, nicht aber schwarzen Behang eines Pferdes, das Silver Dapple Gen hellt dagegen vorzugsweise das schwarze Langhaar auf und ignoriert Rot. Flaxen hellt nur Mähne und Schweif auf und hier, anders als Silver, nur das rote Haar. Dann gibt es noch das Dun-Gen das vorzugsweise den Körper aufhellt (und Wildfärbung erzeugt), das Roan für Stichelhaar und das Champagne-Gen, das alles aufhellt, sogar die Haut.

Andere Gene sorgen dafür, dass Bereiche abgedunkelt werden (Sooty) und wieder andere erzeugen Muster wie verschiedene Scheckungen (Overo, Tobiano, Tiegerscheckung) oder Mealy seltene Zeichnungen wie Sabino, Rabicano oder gar Streifen auf dem Pferd usw... Schön, nicht?

Natürlich ist das lange nicht alles und es gibt unzählige Kombinationen und Mehrfach-Veranlagungen bei Farben, doch dazu verweise ich, bei weiter gehendem Interesse, auf die unten stehenden Links.

Übrigens

Sie können einige Farb-Gene ihres Pferdes bereits in Gen-Laboren testen lassen.

Es genügt ein paar Haare mit den Wurzeln einzusenden. Auch die Amerikanischen Labore sind sehr zu empfehlen und recht flott.

Auch hierzu finden Sie rechts einige Links und Infos.