Gen-Defekte bei Pferden


Erbkrankheiten bei Pferden sind mit der Fortentwicklung der Gentechnik ein immer wichtigerer Aspekt in der Pferdezucht.

Wir bedanken uns bei der DQHA, dass Sie unsere Ausführungen zu den einzelnen Erkrankungen auf ihre Webseite übernommen hat.

Seit 2014 schreibt die AQHA für Hengste, die 25 und mehr Stuten im Jahr decken und ab 2015 für alle Hengste im Deckeinsatz einen umfangreichen Test auf genetische Defekte vor.

Dieser so genannte Panel-Test kann auf freiwilliger Basis seit einigen Jahren gemacht werden. Auf Grundlage der freiwilligen Mitarbeit aller Züchter weltweit konnte die AQHA bereits Anfang 2013 veröffentlichen, dass innerhalb der getesteten American Quarter Horse Population 113 Pferde (7,6% der getesteten Pferde) Genträger waren.

Was ist ein Gen-Defekt eigentlich?

Alles was Lebewesen auszeichnet, ist in deren DNS (DNA ist die engliche Bezeichnung) gespeichert. Diese befindet sich im Zellkern jeder Körperzelle und besteht aus vielen Sequenzen, sogenannten Genen (Erbanlagen). Die DNS ist der komplette "Bauplan" des Lebewesens. Wenn hier Fehler versteckt sind, kann das fatale Folgen haben, muss aber nicht.

Gen-Defekte können auch positive Auswirkungen haben...

Spaß beiseite: Es gibt tatsächlich "gute" Mutationen, wie z.B der Umwelt besser angepasste Farben oder Fähigkeiten. Wenn ein Gen-Defekt jedoch für Krankheiten verantwortlich ist, so kann man Diese nur eliminieren in dem man der Verbreitung mit züchterischen Maßnahmen entgegenwirkt. Heilen kann man Gen-Defekte (bislang jedenfalls) nicht!

Um nicht den Eindruck zu erwecken, die Quarter Horses hätten hier ein besonderes Problem, möchte ich vorausschicken, dass es Gen-Defekte und daraus resultierende Krankheitsbilder bei allen Lebewesen gibt. Defekte im Erbmaterial kommen bei allen Tierarten und auch beim Menschen vor.

Ein bisschen Genetik und Chemie....

Gene sind Teile (oder Abschnitte) der Chromosomen. Chromosomen sind nichts anderes als Knäuel aus "Gen-Fäden". Gene und Cromosomen bestehen chemisch aus DNS (Desoxiribonukleinsäure).

Menschen haben mehr als 30.000 Gene diese sind auf 46 Chromosomen (Gen-Knäuel) verteilt. Pferde haben 64 Chromosomen, Esel 62, Zebras 44.

Ein Defekt kann "homozygot" (reinerbig) oder "heterozygot"(mischerbig) sein. Jedes Lebewesen besitzt in seinen Zellkernen einen doppelten "Chromosomensatz". Einen DNS-Strang hat dabei jedes Chromosom vom Vater und Einen von der Mutter. Beide sind, bis eventuell auf die Geschlechtschromosomen, gleich aufgebaut, können jedoch unabhängig voneinander intakte oder defekte Gene tragen.
Manchmal kann das gesunde Gen des einen Elternteils das defekte Gen des anderen Elternteils kompensieren und es treten keine Krankheitsanzeichen auf. Solche Krankheiten bezeichnet man als "rezessiv". Wenn allerdings ein defektes Gen genügt um eine Krankheit zu bedingen, nennt man die Krankheit "dominant".

Rezessive Erkrankungen sind besonders tückisch, weil man sie bei Einzelgenträgern nicht durch Symptome erkennt. Es treten nur Erkrankungen auf, wenn zwei defekte Gene zusammen kommen. Zwei "gesunde" Pferde ergeben also dann vielleicht ein Krankes? Wie soll man da noch verantwortungsvoll züchten?

Dank der Gentechnik ist das jetzt möglich und wie die folgenden Kapitel zeigen, wegen des Verbreitungsgrads der bekannten Gendefekte, auch dringend nötig!

Forschung

In einem Forschungsprojekt der US Universität Kalifornien und der US Universität Minnesota wurde die Häufigkeit von Genträgern für bekannte Erbkrankheiten bei Quarter und Paint Horses untersucht. Die Ergebnisse der Studie wurden im Januar 2009 veröffentlicht.

Die Test-Kandidaten

200 Quarter- und 180 Paint-Horses wurden dabei auf die Erbkrankheiten HYPP, HERDA, LOWS, Typ1 PSSM und GBED getestet. Die zufällig ausgewählten Pferde stammten aus den USA, Kanada und aus verschiedenen europäischen Ländern.

Das Testergebnis
der 180 Paint Horses

08 HYPP-Genträger,
08 PSSM-Genträger,
07 GBED-Genträger,
03 HERDA-Genträger und
38 Genträger für LOWS

08 Träger von zwei Erbdefekten

Das Testergebnis
der 200 Quarter Horses

03 HYPP-Genträger
23 PSSM-Genträger
22 GBED-Genträger
07 HERDA-Genträger und
00 LOWS Genträger

05 Träger von zwei Erbdefekten

 

 

 

 

 


Verbreitung nach Disziplinen


Beim Test der erfolgreichsten Quarter Horses aus den AQHA Shows der Jahre 2005 und 2006 mit insgesamt 651 Top Leistungspferden, Stuten und Hengsten, aus den sieben Leistungsrichtungen Halter, Western Pleasure, Cutting, Working Cowhorse, Reining, Barrel Race und Racing ergab sich folgendes Bild:

Unter den 118 erfolgreichsten Halter Pferden waren 65 HYPP-Genträger, dies sind über 50%, vier Pferde sogar zugleich HYPP Doppelgenträger. In den anderen Leistungsgruppen konnten dagegen überhaupt nur zwei Pferde als HYPP Einzelgenträger aufgedeckt werden.

Genträger für den HERDA Defekt fanden sich, wieder erwartungsgemäß, bevorzugt unter den Cutting Eliten. Unter 113 untersuchten Pferde, waren 32 Pferde hier zugleich HERDA-Einzelgenträger.

Relativ viele HERDA Einzelgenträger befanden sich auch unter den Reining Eliten und unter den Working Cowhorse Elitepferden. Alle anderen Gruppen hatten das HERDA Gen in nur sehr niedriger Frequenz. Wieder unter den Halter Pferden waren auch die meisten Genträger für den Muskeldefekt Typ1 PSSM. GBED fand sich dagegen am häufigsten unter den Western Pleasure und Cutting Eliten.

Interessant sind die 118 ausgewählten erfolgreichsten Racing und Barrel Racing Quarter Horses. In dieser Gruppe haben die Wissenschaftler überhaupt nur fünf Einzelgenträger für die untersuchten Erbkrankheiten aufgedeckt. Mit wenig Linienzucht und mehr Einkreuzung von Englischem Vollblut, wird hier das sehr seltene Vorkommen von Genträgern erklärt.

Insgesamt zeigt die US Studie aber sehr deutlich, dass es unter den Elitepferden in allen Leistungsrichtungen Genträger für HERDA, GBED und Typ1 PSSM gibt.  

 

Hochrechnung

Mit den vorliegenden Untersuchungen, die mit Unterstützung der American Quarter Horse Foundation durchgeführt wurden, konnten erstmals auch Schätzungen zur Verbreitung der Erbanlagen für GBED, HERDA und Typ1 PSSM in der Quarter Horse Rasse durchgeführt werden.

Man geht davon aus, dass es heute unter den 3,24 Millionen American Quarter Horses bereits 278.640 bis 421.200 GBED, 90.720 bis 181.440 HERDA und 272.650 bis 419.600 Typ1 PSSM (jeweis Einzelgenträger) gibt.

 

Fazit

Etwa eine Million der 3,24 Millionen Quarterhorses könnten also bereits Träger eines der genannten Gen-Defekte sein.

Um eine weitere Verbreitung zu verhindern werden konsequente Gentests für Züchter nachdrücklich empfohlen!

Testen Sie ein Pferd vor dem Kauf!